Präfektur Ibaraki

Versteckter Lieblingsort: 
der Rakuhō-ji

Wo es die Einheimischen lieben – Ibaraki-Series Teil 1

Eine der viel zu unterbewerteten Regionen Japans

Die Präfektur Ibaraki ist eine der Top 5 Präfekturen Japans, die laut inländischen Umfragen zu den NICHT sehenswerten Präfekturen des Landes gehört. Dementsprechend kommen wenige Inlandstouristen extra von weit her, geschweige denn ausländische Touristen. Jedoch gibt es in Ibaraki viele tolle, lokale Schönheiten zu bewundern. Die Einheimischen und Bewohner der umliegenden Präfekturen wissen und schätzen das. Jene Orte möchte ich nun mit euch teilen, um auf die vom Massentourismus unberührten Schönheiten der Präfektur aufmerksam zu machen. 

Zweieinhalb Jahre habe ich in der Stadt Tsukuba gelebt, die im Süden der Präfektur Ibaraki  liegt. Und ich muss sagen, ich war mehr als glücklich dort. Mein Studium dort hat nur drei Semester gedauert, aber ich habe meinen Aufenthalt um noch ein Jahr verlängert, weil es mir dort so gut gefiel. Über Sehenswertes im Zentrum von Tsukuba erzähle ich in einem anderen Blog ein anderes Mal, denn heute möchte ich über einen Ort berichten, den ich in jener Präfektur immer wieder aufsuchte.

Und dieser Ort ist der Tempel Rakuhō-ji (Amabiki Kannon) auf dem Berg Amabikisan.

楽法寺(雨引観音)
Rakuhō-ji (Amabiki Kannon)

Wie komme ich zum Rakuhō-ji?

Von Tokyo mit Öffis

🚆 Ab Akihabara Station nimmst du den Tsukuba Express bis nach Tsukuba Station (55min). 

🚌  Hier steigst du um in den Tsuku Bus Hokobu Shuttle Richtung Tsukuba-san Guchi (40min).

🚌  Am Tsukuba-san Guchi steigst du um und bewältigst die letzte Strecke mit dem Bus Richtung Seisho gakushu Center bis zum Amabikisan Rakuhō-ji (Amabiki Kannon) (45min).

⚠ Achtung: Der Shuttle vom Tsukuba-san Guchi fährt nur am Wochenende zum Tempel Rakuhō-ji! Plan deine An- und Abfahrt gut im Voraus.

Dauer (einfach ): ca. 3 Std  
Kosten: 1.880¥

Von Tokyo mit dem Auto

🚗 Von Tokios Zentrum aus nimmst du die Autobahn Joban Exp. No 6 Richtung Tohoku und fährst entspannt Richtung Norden. ca. 68 km und fährst bei Tsuchiura-kita IC auf die 199. Von hier aus führt dich dein Weg vorbei an Reisfeldern, Bergen und Dörfern bis zur Stadt Sakuragawa. 

 

Strecke (einfach): 102 km

Dauer: 1 Std 44 min

Mautgebühr:  ca. 2.500-3.000¥

Was zu sehen ist

 

Mein erster Besuch war im Juli, kurz nach der Regenzeit. Ein perfekter Zeitpunkt, um sich die strahlend blauen und pinken Hortensien anzuschauen. Mit meiner Reise-Partnerin in Crime mieteten wir uns ein Car Share und machten uns über ländliche Straßen auf den Weg zum Tempel. Wenn du auch mit einem Mietauto fahren willst, empfehle ich Toyota Rental Car. Die gibt es praktisch überall, bieten englischsprachichen Support an, und du kannst das Auto auch für einen Aufpreis bei einer ihrer anderen Filialen abgeben. Wir nutzten für unseren Ausflug den lokalen Anbieter Tsukuba Car Sharing (Seite nur auf Japanisch).


So kamen wir beim kostenlosen Parkplatz des Tempels an. Bereits entlang der langen Steintreppe vom Parkplatz aus hoch zum Eingangstor des Tempels säumten sich links und rechts prächtige Blütenbüsche. Hier begrüßten uns sogar Gänse und Ziegen, welche überraschender Weise frei im Gelände umherliefen.

Nach dem eindrucksstarken Tor mit seiner roten Holzfassette stand, wie bei jedem buddhistischen Tempel und shintoristischen Schrein, ein Wasserbecken zur spirituellen Reinigung bereit. Der speiende Drache und die Hortensien, die auf der Oberfläche schwommen, waren wirklich hübsch anzusehen.

 

Ein paar Steintreppen weiter empfing uns der Hauptbereich: Der Haupttempel mit seinen Nebengebäuden, geschmückt mit traditionellen Papierschirmen, sowie ein Meer von Hortensienblüten, die ruhig auf dem Teich schwammen. 

Durch die Hortensien hindurch schwammen ein paar Gänse und die Blüten kreiselten leicht von den zarten Wellen, die sie erreichten. Ich hatte bei diesem Anblick das Gefühl, dass die Zeit ebenfalls zu verschwimmen schien.

 

Einige wenige Schritte weiter standen dicht an dicht dicke Hortensien-Büschel in Blumenkübeln aneinander gereiht. Ein entzückender Anblick voller Farbenpracht. Hortensien machen einfach glücklich.

 

Vorbei an einem kleinen Wasserfall stiegen wir den Hang auf dem Tempelgelände hoch und wurden von einer spektakulären Aussicht überrascht mit der ich nicht gerechnet hatte, obwohl wir ein gutes Stück den Berg hochgefahren sind. 

 

Zur Kirschblüte war ich übrigens noch einmal hier und auch im Frühjahr ist der Aus- und Anblick wundervoll.

 

 

Nun sind dir in den Bildern bestimmt schon die Statuen mit Kind im Arm aufgefallen. Am Rakuhō-ji Tempel gegründet ca. im späten 6. Jahrhundert und zugehörig zum Shingon-Buddhismus sollen nämlich Kaiser Shōmu (724-749) und Kaiserin Kōmyō um sichere Geburt gebeten haben. Der Legende nach hatte das Gebet erfolg und der Tempel wurde als kaiserlicher Ort für Anzan-Kigan (Gebet für einfache Geburt) etabliert. Später wurde er auch mit Regengebeten verbunden. Bei Dürre ließ der Kaiser Saga (809-823) Sutras abschreiben und dort nach Regen erbitten. Anscheinend waren die Gebet erfolgreich und erhielt der Berg der Name Amabiki (Regen herabziehender Berg), weshalb der zweite Name des Tempels auch Amabiki Kannon ist.

Bis heute ist er ein beliebter Ort für Bitten um sichere Geburt, Kindersegen und Abwehr von Unglück, mit bedeutenden Kulturgütern wie einer alten Kannon-Statue und historischen Bauten aus der Edo-Zeit.

Was hier besonders ist

Bei unserem letzten Besuch wurden wir sogar von einem Pferd überrascht, welches die steilen Steintreppen hoch trabte. Was macht das Pferd hier??, dachten wir.
Die Recherche ergab, dass in Japan seit jeher Bauern und Reisende zu Kannon für den Schutz ihrer Pferde gebetet haben, da eine Form der Kannon, die Batō Kannon (馬頭観音, Pferdekopf‑Kannon) existiert, die Schutzgottheit für Tiere – insbesondere Pferde – ist. Der Amabiki Kannon ist heute wohl Schauplatz für die Segnung von Pferden, sowie Gebetsort für die Sicherheit der Pferden und ihren Reitern.

Apropos Pferd: An Schreinen sowie Tempeln hängen oft Holztafeln, „Ema“ (絵馬) genannt. Das bedeutet übersetzt „Pferdebild“ Früher hat man den Göttern Pferde geopfert, damit das Gebet in Erfüllung ging. Aber da Pferde ein teures Gut waren, ist man dazu übergegangen, Pferde auf den Kopf der Holzbretter zu malen, auf die man seine Gebete, Wünsche und Danksagungen schrieb und an eine Stelle (emagagke) hing, damit die Götter sie lesen konnten. Da aber auch nicht alle Bürger Pferde malen konnten, ist man dazu übergegangen, einfach das zu malen, auf das man Lust hat. Meist sind die Symbole an das Thema der Tempel und Schreine angepasst und heutzutage muss ein Besucher auch kein eigenes Symbol mehr auf die Tafeln schreiben; aber es ist eine lustige Geschichte über die Etablierung und die Namensgeschichte des „Ema“.
 

Rokuhō-ji in Blüte

Schau dir die Schönheit der Kirschblüte im März/April und die Hortensienblüte im Juni/Juli an Rakuhō-ji an.

Was es noch in der Nähe gibt

In der direkten Umgebung

Direkt beim Rakuhō-ji gibt es ein nettes Café mit chinesischer Mittags- und Abendkarte, sowie einer kleinen Hütte mit Pfaus.
Wenn du mit dem Auto unterwegs bist, kannst du auch in den Ort Sakuragawa reinfahren und etwas den ländlichen, einheimischen Flair genießen.

In der näheren Umgebung

Mit dem Auto (26 min) erreichst du vom Rakuhō-ji auch den Ibaraki Flower Park – einer großen Gartenanlage mit schönen, saisonalen Blumenbeeten und abendlicher Illumination. 
 

Da wir nur die Anfahrt von und bis Tsukuba (33,8 km) hatten, haben wir einen Halbtagsausflug zum Rakuhō-ji gemacht. Aus Tokyo empfielt sich ein Ganzttagsausflug, wenn nicht sogar mit Übernachtung. Für detailliertere Informationen zu den Aktivitäten und Unterkunftsempfehlungen rund um den Berg Tsukuba, schau gerne in den entsprechenden Blog unten rein.

Berg Tsukuba

Vom Rakuhō-ji kommt man schnell (Auto 30 min, Bus 1 Std) zum Berg Tsukuba.
Der Berg bietet viele Gelegenheiten für unterschiedliche Bedürfnisse. 
Zum einen gibt es nahe des kleine Lokale zur Erholung, zwei schöne Wanderwege den Berg hinauf und auch eine Bergbahn, um sich chauffieren zu lassen. 
Auch gibt es hier Hotels, unter anderem mit Onsen, auch für Tagesgäste.

Im Sommer wird es gegen 20 Uhr dunkel, und auch die letzten Busse zum Bahnhof Tsukuba fahren gegen 19 Uhr. Falls du also auf Öffis angewiesen bist und aber auch wandern möchtest, würde ich die Fahrzeiten gut im Voraus planen. Mehr Informationen zu einem Wanderausflug folgen bald in einem separaten Blogbeitrag.

Mit dem Auto ist natürlich vieles einfacher. Du kannst aber z.B. auch eine Nacht in einem der Hotels am Tsukuba-san entspannen, einen Onsen-Besuch und eine Wanderung am nächsten Tag mitnehmen, vor allem, wenn du mit Öffis unterwegs bist.
 

Zusammenfassung

 

Der Rakuhō-ji ist zu jeder Jahreszeit ein wunderschönes und bei den Einheimischen populäres Ziel. Ob mit Kindern, Freunden, als Date oder mit Kindern in der Planung – die Tempelanlage ist für alle einen Ausflug wert.
Als Tagesausflug von Tokyo aus reisend empfehle ich, wie beschrieben mit dem Tsukuba Express bis nach Tsukuba Station zu fahren. Dort gibt es in Fußreichweite Toyota Rent a Car, wo man sich ein Auto mieten und Sakuragawa und die Umgebung flexibler erkunden kann. Wenn der Ausflug nicht mit Blick auf die Uhr stattfinden soll, bietet sich die Übernachtung in einem Hotel auf dem Berg Tsukuba oder zurück in Stationsnähe an. 

Hab eine tolle Zeit in meiner zweiten Heimat und lass die Seele baumeln. 


Bis zum nächsten Blog – またね (mata ne),
Laura

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